Liebefresser

Vor einiger Zeit, habe ich im Fernsehen ein Interview mit einem Poltiker gesehen, der auf Anfrage einem Reporter verraten hat, dass das Geheimnis einer guten Ehe getrennte Schlafzimmer seien und ich musste lachen. Abgesehen davon, dass dieser alte Herr sich zig. Badezimmer leisten kann und seine Gattin nicht gerade vor Begeisterung und Liebe euphorisch wird, ihn nackt zu sehen.....ich muss immer noch darüber lachen....vielleicht meinte er den Alltag und hat ihn bis auf ein Minimum abstrahiert und seine Ehe auf die Hygiene reduziert.

Ich habe den Samstagvormittag in der Küche verbracht. Wir am Abend zu einem Teeabend eingeladen und jeder sollte etwas Leckeres mitbringen. Ich habe einen marmorierten Blechkuchen mit Mascarpone gebacken. Danach habe ich noch meine Haare gewaschen und frisch geduscht. 

Wir haben auch ein Bad neben dem Schlafzimmer und unten neben dem Wohnzimmer eine Dusche. 

Oma wollte im "großen Haus" keinen "Dreck" haben. Also hatte sie darauf bestanden den Keller auszubauen und eine Küche ein Bad und ein Wohnzimmer einzurichten und den Rest als Vorratskeller zu nutzen. Aus dem Wohnzimmer habe ich ein Esszimmer und eine Leseecke/Spielecke gemacht.

Wenn ich jetzt die Ehe auf die Hygiene reduziere, stören  mich offene Klotüren, herumliegende getragene Klamotten, nasse Dusch- oder Handtücher  und eine dreckige Badewanne und Dusche können mich wahnsinnig machen. Im Waschbecken herumliegende Bartstoppeln würden bei mir einen Schreikrampf auslösen. Wäscheberge lassen sich schnell reduzieren und herumliegendes Spielzeug ist ebenso schnell in den Kisten. Dafür würde Nils mich "Sack, Sack" sorgen. Ich muss oft energisch darauf bestehen und "aber Zack, Zack" rufen. Anscheinend liebt er es "Sack, Sack" zu rufen und jedes Spielzeug extra in die Kiste zu bringen, um anschließend "oh alles" zu rufen.

Neulich erzählte mir eine Bekannte, dass ihr Partner sie nicht gerne in der Küche sieht, sie würde dann nach Essen riechen und es wäre unerotisch. Daher gehen sie meistens zum Essen in ein Restaurant. Aber gut, jedem das Seine. Wer Eimerfraß mag und Kochen unerotisch findet, sollte essen gehen.

Es gibt keine bessere Erotik als gemeinsam zu kochen, oder wie Lars es pflegt zu sagen "du schnippelst und ich esse" oder er kostet und kostet vor.

Ich koche mehr weil er sich vorher schon fast satt ißt. Ich liebe es wenn er jede Zutat bewundert und jeden Zubereitungsschritt verfolgt.

Würde er mir reinrdeden, wäre er schnell aus der Küche. Meine Küche, mein Spielzeug.

Ob die Liebe vom Alltagsstress mit der Zeit Häppchenweise gefressen wird? Ich finde, dass Lars geduldiger mit den Kindern ist als ich. Und ich bin schneller und effektiver was Hausarbeit und Garten betrifft. Ich habe ihn, als wir nur miteinander befreundet waren und weder er noch ich uns mit anderen Augen sahen, mit seiner kleinen Tochter erlebt. Er hatte so viel Liebe und so viel Geduld für sie. Die schlaflosen Nächte, ihre Krankheit, die vielen Operationen, sie waren für ihn kein Stressfaktor. Er ist feinfühliger als ich. 

Ich rede in seine Erziehungsmethode nicht rein. Er bringt ihnen auf eine spielerische Art alles bei und ich wie kleinen Erwachsenen viel ernster.

Meine Hektik frisst mich noch irgendwann auf. Ich kann mit Druck und Stress beruflich umgehen, aber privat möchte ich keine Hektik auf Lars oder die Kinder übertragen. Deshalb bevorzuge ich eher im Haushalt meine Ordnung. Ich bin schneller als Lars im Haushalt.

Dann nehme ich die Kinder und wandere. Total begeistert sind die Kinder vom Herbst. Ich könnte stundenlang mit denen durch das Laub wandern, Kastanien sammeln. Ich fühle mich zusammen mit ihnen erneut kindisch und Kind.

Ich finde es erotisch albern zu sein. 

Gestern Abend tat es uns gut wieder zwischen Freunden und Bekannten zu sein. Passiert selten, da wir auch Wochenenddienste haben und nicht dabei sein können und wollen.  Bei Tee, Kuchen, Keksen und Säften zusammen zu sitzen und zu albern war schön. Man erfährt die eine oder andere Neuigkeit. Ein paar haben ihren Tee mit Alkohol verfeinert und waren stockbesoffen. 

Ich bin so Einiges aus dem medizinischen Alltag gewohnt, aber als einer sich eingenässt hat und die Couch und den Teppich volgekotzt hat, hörte bei mir der ganze Spaß auf.

Ohne mich. Ich mache so ein Mist nicht mit. Bei mir kommt keiner bei und verkotzt mir die Hütte. Ich habe dafür kein Verständnis.

Ich überlege mir noch, ob ich einen Teeabend veranstalte. Wenn, dann unten im Alltagszimmer. 

Ich kann es gar nicht genau beschreiben, was in mir vorging, als ich die beiden Besoffenen sah. Ich hatte urplötzlich eine Art Panikatacke als der eine mich und alle anderen umarmte. ich dachte, wenn ich ich einen Schritt zurückmache oder ihn wegschubse wird er aggressiv werden. Er war gar nicht aggressiv. Trotzdem hatte ich Panik. Ich war 5 oder 6 Jahre alt, als mein Vater eine ganze Flasche Wein allein leerte und meiner Mutter hinterherschrie: "ich schlachte dich ab wie ein Vieh!" 

Ich konnte vor Lars das Zittern nicht verbergen. Wir warteten noch eine halbe Stunde ab und dann verabschiedeten wir uns von allen und fuhren nach Hause.

Ich frage mich ob die Frau des Betrunkenen, sich für ihn geschämt hatte. Das wäre für mich ein Liebefresser. 




Nur absurde Gedanken


18:30 zeigen die Uhrzeiger auf die Zeit. Bis 21:30 habe ich noch Bereitschaftsdienst. Ich sitze in meinem Büro in der Praxis und gehe alle benötigten Unterlagen für November durch. Mein Drucker spuckt ein Blatt nach dem anderen aus. Listen....Listen .....neue Regelungen, OP-Pläne, Dienstpläne für diesen Monat.

Ich sammele noch die letzen Freizeitwunschzettel von der Pinnwand und brechne die Stunden neu. Das Planänderung, da Urlaubstage, da Bereitschaft, da Klinik.

Seit ganzen 2 h sitze ich da und versuche meinem Team klarzumachen, dass jeder von uns 8 Tage für das KH zur Verfügung stehen muss. Auch ich bin keine Ausnahme. Viele von uns haben Schulkinder, Kleinkinder und müssen auch ihre Freizeit danach gestalten. Immer 2 Wochen im Voraus kann ich nur planen.

Und dann sitze ich da und bereite mir noch einen  Salted Caramel Chocolate zu. Schmeckt lecker, aber er verklebt. Mehr als eine Tasse könnte ich davon nicht trinken. Plötzlich fielen mir Menschen ein die eine große Rolle in meinem Leben spielten, die teilweise mehr oder minder in meinen Herzen verwurzelt sind.

Tante Lina. Ich sehe mich und Fabian unter ihrer riesigen Federdecke am 10. Januar als Oma's Sommerküche brannte und wir Kinder vor Angst uns draußen auf ihrer Veranda im Schnee versteckten. Es schneite die ganze Nacht und der Schnee glitzerte wunderschön im Hoflicht. irgendwie nahm der Schnee mir die Angst.

Ich bin überrascht wer alles so urplötzlich in meine Gedanken kommt.

Wie Opa zu Tante Lina kam, wurde mir auf eine wunderschöne Art erzählt. Opa arbeitete für sie und ihren Mann(ich kann mich nur noch ganz vage an ihn erinnern wie er zu mir sagte "Du bist ja ein Lockenköpfle!") und mich verstrubbelte.

Da Tante Lina keine Kinder hatte, vererbte sie Opa den Hof, weil er so fleißig war. Darüber wieso Tante Lina Oma nicht mochte, wurde nie geredet. Sie hätte sich angeblich jemand anderen für Opa vorgestellt. Aber Opa war mit Oma verheiratet. Manchmal frage ich mich ob Oma und Opa sich sehr geliebt haben. Jeder hatte so seine Macken die den anderen zur Weißglut brachten. Auf eine individuelle Art waren beide sehr eitel, sehr akkurat. Ob Liebe diesen Perfetionismus auf Dauer mag.....der oft zu Diskussionen oder Streit führt......Ich denke schon, denn als sehr eigenständige Menschen hätten sie ohne ihre Liebe zu einander nicht zusammen leben können.

Oma hatte ihre Macken und ihre Abneigungen. Wen sie nicht ausstehen konnte, dem hat sie es auch ins Gesicht gesagt. Oma hatte sich auch in die Partnerschaften ihrer Töchter eingemischt. Die einzige Tochter bei der sie sich so richtig einmischen und austoben konnte, war Maman. Maman war wegen uns Kindern auf sie angewiesen duldete mehr oder minder widerwillig das Einmischen. Später stellte Oma fest, wie sehr sich Maman mit meinem Stiefvater auch für Oma einsetzten und war voller Lob von den beiden.

Ich kann Abhängigkeit bis auf Blut nicht ausstehen. Ich bin ein eigenständiger Mensch und lasse mir ungern auf eine abhängige Art helfen. Ich helfe denen die mir helfen ebenso wo und wie ich kann mit vollem Herzen, aber ich werde nie jemandem vorhalten wie oft und womit ich geholfen habe.

Dann fiel mir mein bester Freund ein. Und ich frage mich ab und zu wieso er immer noch keine Freundin hat. Ich meine, eine feste Partnerschaft. Er sieht zwar nicht gut, eher sehr schlacht, aber das ist auch alles. Er ist nicht gerade Adonis, aber er sieht gut aus und ist ein sehr intelligenter und gepflegter Mensch. Es gibt nichts worüber man mit ihm nicht sprechen könnte. Seine Mama war immer so nett zu uns Kindern. Ich vermisse Menschen die einfach bedingungslos lieb zu mir waren.

Marie-Claude - eine gute Freundin aus dem Lycée. Sie lebte in der Stadt und hatte 10 Fußweg bis zur Schule. Sie lebte mit ihren 2 kleinen Stiefgeschwister in einer kleinen Wohnung und teilte das Zimmer mit ihren Geschwistern. Sie war Diabetikerin Typ I. Manchmal ging es ihr sehr schlecht und kippte oft um. Ich fragte Maman was ich tun könnte, damit sie nicht mehr umkippt. Dann erzählte mir Marie-Claude dass ihr Stiefvater das Geld versäuft und sie kein Insulin hat. Maman gab ihr immer mal für den einen oder anderen Monat alles mit. Dann trennten sich ich Stiefvater von ihrer Mutter und sie zogen eine andere Wohnung und nach dem Examen sah ich sie nie wieder, da sie irgendwo am Ende der Stadt wohnte und kaum mehr ins Zentrum kam.

Stepháne erzählte, dass sie Pharmazie studierte und geheiratet hätte und sogar nach Strassbourg weggezogen wäre.

Die alten Nachbarn fielen mir ein....und Kurt und Alice und seine wunderschöne Schrift. Meine Götter die war schön. Dass jemand so schön schreiben kann... das ist Gottgabe oder was auch immer für eine Gabe. Nicht einmal wenn ich 100 Jahre  Tag und Nacht üben würde, ich würde niemals so schön schreiben können. Feine Menschen - beide.

Ja.... ich hatte das Glück...... er ist ein wunderbarer Mensch.... ich hoffe er hat seine Erkrankung mit allen Nebenwirkungen im Griff und hat die Liebe seines Lebens gefunden. Er hat jemand Besseren verdient als mich. Oftmals frage ich mich ob er mit mir Wirbelwind überhaupt klar gekommen wäre....und den Mädels....ich wollte ihm diese beiden nicht zumuten.....er hat mehr verdient als jemand die sich um zwei Nichten kümmern muss. Jemanden die hundertprozentig für ihn da sein ist. Das geht nur wenn beide das Gleiche leben wollen und Geduld haben. 

Ich denke an Begegnungen, an einmaligen Begegnungen.....an Menschen die ich im Laufe meines Lebens auf die eine oder andere Art begegnet bin. 

Ich weiß ja nicht was mit mir passiert. Trage ich den Nidus an verknoteten Gefäßen in mir, oder meldet sich eine meiner Niere ab und schrumpft. Maman war in meinem Alter als sie die ersten Anzeichen kamen. Es ist das was mir Angst macht. Ich wollte deswegen nie Kinder bekommen und habe zwei. Ob es unverantwortlich war, nun ja, ich handele immer und lebe dann mit den Konsequenzen. Beide Kinder sind gesund und sehr agil. 

Das macht mir manchmal Angst. Was ist wenn.....

Der ganze Corona-Krieg macht mich fast wahnsinnig. Darf ich sagen weil es so ist. Bin geimpft. Mit der 3 Impfung wäre meine Grundimmunisierung abgeschlossen. Ich habe eine bikuspide Herzlappe mit Aortastenose und keine Trikuspidalklappe wie gesunde Menschen. Und wie ich Angst habe......und ich verlasse mich nicht auf die Forschung.....die Forschungs- und die Pharmakonzerne sind bekanntlich  Mafiakonzerne.......

Die Gedanken stimmen mich traurig. Ich muss mich zusammenreißen. Hoffe ich schaffe es bis ich nach Hause fahren kann.







November

Allerheiligen und die Agonie.

Frühnebel und Nieselregen. Beweglicher Feiertag. Totenmonat. Endlichkeit des Lebens. 

An diesem Tag könnte ich mich verkriechen, bevor Tränen mich auflösen könnten.

Man zieht schwarze Trauerkleidung an und geht in die Kirche zum Requiem für alle Seelen. Wieso ist Trauerkleidung schwarz? In einem kirschroten, sonnenblumengelben oder himmelblauen Kleid kann man mit dem Herzen ebenso trauern oder traurig sein. Wieso tragen Frauen ein Kleid und keinen Hosenanzug? Trauer sollte keinen Trauercodex haben.

Ich finde Nylontrümpfe unausstehlich. Und schwarze erst recht. Und jedes Mal schaffe ich es an einem Rosenstock hängen zu bleiben und eine schöne Laufmasche in den Strumpf zu häkeln.

Ich mag nicht in die Kirche gehen....ist so monoton, so gelangeilt. Das Requiem war irgendwie .....ja distanziert....fad.....es hatte keine Seele....oder der Pfarrer war noch im Mittagschlafmodus.... 

Ich habe die ganze Zeit gefroren....nicht wegen dem Nieselregen..... jedes Jahr ist es so und ich bin danach immer erkältet.....Lars auf einer Seite, René auf der anderen...sie hielten mich fest als die Tränen mich wegschwemmen wollten. Ich wollte mich hinsetzen auf den kalten Boden, wie ein Kleinkind sich hinsetzt, mit angezogenen Knien und den Kopf verstecken.... aber ich bin kein Kind mehr....und es wird mir an solchen Tagen so bewusst. Ich bin keine Tochter, keine Enkelin mehr. Ich bin auch zum Teil keine Schhwester mehr und auch zum Teil keine Nichte. 

Asche zu Asche. Wo Augenblicke davor noch das Gras kniehoch war, geht die Erde auf(wird die Erde aufgebuddelt) und Leben fällt wie ein Herbstblatt nach dem Lebenstanz in ein Loch und ist unwiederbringlich weg. Festhalten was weg ist ......auch wenn die Wurzel noch tief im Herzen verankert ist.......das Lebendige, die Seele ist weg.

Angeblich sollte diese Unsterblichkeit, diese Ewigkeit nur Trost sein.

Ich brauche diesen Trost nicht, denn ich weiß.....ich weiß es sehr genau wie ein Herz aufhört zu schlagen, wie die Haut eiskalt wird....ich weiß......weil ich es mit allen Fasern des Herzens und mit allem angesammelten Wissen gelernt habe......die Endlichkeit gesehen und gefühlt habe.

Das unberührte animalische, die Wildheit in mir fühlt noch jede Berührung, erinnert sich an den Duft der Haut, der Haare, hört noch viele Worte die wichtig wurden und immer noch wichtig sind, hört noch das Lachen, hört noch die Stimme in den Worten.....

Aber ja, die Kerze in meiner Hand.......das Zittern der Flamme, wenn mein Atem oder der Wind ihr zu nahe kommt.......das ist es nicht.......es gibt kein Leben hier in einem Grabvulkan mit weißen Astern bestickt. 

Gebet

Lehre mich die Unachtsamkeit
und wie man blind und taub durch den November wandert,
wie man einem Traum die Flügel bricht
dass er ungeträumt ins Abis fällt.
Wie ich in mir das Sonnenlicht 
nach dem Regen bewundern kann,
ohne den Himmel
für die Regenwolken zu beschuldigen.
Wie ich die Bäume bitten kann
ihre Blätter immergrün zu färben,
damit sie nicht im November
purpurfarben sterben.

Lerne mich weniger zu lieben,
im Morgengrauen nur 
oder nur am späten Abend,
damit kein Augenblick mehr schmerzt
wenn die Lieben gehen.
Lehre mich die Gleichgültigkeit,
nur für einen Augenblick,
wenn die Sehnsucht mich erdrückt.

Lehre mich für den Augenblick zu leben.


©Émilia




Wochenrückblick

Die letzte Oktoberwoche war arbeitsreich und auch emotional intensiv. Traubenlese, Wurzelnernte(Karotten, Pastinaken, Petersilie......), den Weingarten und den Garten hinter dem Haus winterfest zu machen, Monatsabrechnung für die Praxis und alles andere nebenbei und dazwischen.

Ende Oktober - die Agonie der Felder nach der Ernte war und ist für mich immer eine Verwüstung und gefühlte Leere. Eine gefühlte Entwurzelung.

Halloween wird hier auf dem Land gar nicht gefeiert. Es wird herbstlich dekoriert, aber damit wird die Ernte symbolisiert. Wenn man es ganz traditionell machen will, es gibt Herbstessen wie Eintöpfe, Kürbissuppen, Kürbiskuchen, Strudel usw....

Traubenball nicht zu vergessen. Dieses Jahr mit Maske. Ja nein, Ballkleid und Maske beim Tanzen, Abstand halten an den Tischen, keine Umarmungen, kein Schmusen in der hintersten Ecke......kein Türpfostenhalten.....dieses Jahr wollte ich ihn wieder ohne mich vorbeiziehen lassen Mir reicht die Maske schon im Dienst, oder beim Einkaufen. Ich habe einen aktuellen Impfstatus(mehr dazu möchte ich mich gar nicht äußern) Aber wenn ich mich ohne diesen Mundschutz nicht frei bewegen kann, wenn ich mich auf dem Ball nicht tanzend verausgaben kann wie man es eben beim Tanzen tut, dann verzichte ich auf Halbherziges.

Pustekuchen! Tradition ist Tradition und da beißt die Maus keinen Faden ab. Lars wollte so ein Traubenball miterleben. Seine Mam' auch und Tante ist bei so etwas eh nie zu bremsen. Dafür wird die Bandscheibe, das Knie und die Wetterhex' für ein paar Tagen vergessen. 

Für die Mädels war es auch neu und mit Schulkollegen und Freundinnen abzuhängen tat ihnen gut. Beim Traubenball versammeln sich Babies wie Greise. Es ist nachdenklich wie lustig den Kreislauf des Lebens zu beobachten wie kleine Windelpupser die erst laufen gelernt haben mit den uralten Omi und Opi tanzen. Gena dafür sind diese Feiern.

Am Sonntag gab es ein sog. "Halloweenessen." Die Mädels kennen es von ihrem Papa. Fabian liebte den ganzen Kram. Er dekorierte gern üppig. Er hatte für so etwas ein Händchen und er liebte es alles schön dekoriert zu haben. Keinen Kitsch, sondern Porzellan und Holz und Deckchen. Und er stand stundenlang am Herd um irgendwelche Leckereien zu zaubern. Also haben wir es dieses Jahr für die Kinder so schön wie möglich gestaltet und die Erinnerung an ihren Papa feiern lassen. 

Zusammen zu sitzen und gemeinsam zu essen, zu plaudern tat uns allen wieder gut. René hatte seine Freundin eingeladen und für sie war es zu viel "Familie." Sie wollte es etwas locker angehen lassen, eine Art Freundschaft + Extras,  aber er nicht. Er dachte es würde sich zu mehr entwickeln, aber hat es schnell eingesehen, dass Gefühle sich manchmal nicht mitentwickeln. Wer weiß was er wieder an ihr kritisiert hat. Bei René mit seiner verschlossenen Wassermannart, weiß man eh nie woran man ist. er findet immer einen Punkt, über den er etwas auszusetzen hat. Er ist kreativ, er hat eine sensitive kreative Ader und wenn er sich wirklich ins Zeug legt, dann wir es etwas Besonderes. Aber wehe er findet " den Fleck" der ihn stört, dann ist es Schrott für ihn. So viel Laune wie in ihn reinpasst hat er. Diskussionen sind da überflüssig. Er dreht sich weg und lässt einem stehen. Er braucht jemand die ihn führen kann. Wieso wollen Männer Frauen haben, die ihnen sagen wo es lang geht?

Ich würde wahnsinnig werden, wenn ich Lars ständig führen müsste. Er soll sich wagen mich zähmen zu wollen. Pustekuchen! 














Cycle: Briefe an die Liebe X



Die Nacht beginnt und endet mit dir. Deine Arme sind mir Kissen für meine Träume mit dir und von dir. Ich sehe in deine Augen und sie beantworten mir alle Fragen die ich dich noch nicht gefragt habe. Der Himmel hat dein Gutenmorgenlächeln in den Sonnenaufgang gelegt und die Abendsonne hüllte sich in ihr schönstes Abendkleid, wenn du mir zuflüsterst "ich liebe bis zum blauen Mond und zurück." Es hat mehr Bedeutung als nur ein Wortspiel für mich.
Nun endet Oktober und legt seine seine ganze Rostfarbenpracht in die Fasern seines Herbstkleides. Ich bin Sehnsucht und Frucht und Liebe und ich schüttele meine Sehnsucht wie Blätter in deine Hände. 
Eingehüllt in deinem Lächeln, fühle ich wie deine Arme mich halten, deine Hände meine Haut berühren. Ich atme den Duft des späten Abends und höre deine leise und schlafwarme Stimme die mich lehrt dass Liebe schön ist und dass auch die Stille unausgesprochene Worte hat.
Im Schatten der Augenlieder sind wir Leidenschaft und Feuer und Herbstfarben.
Am frühen Morgen  deine Hand auf meiner und zwischen uns zwei Tassen bittersüßen Espresso.
Heute hängt ein dichtgewebter milchfarbener Nebelvorhang vom Himmel der die Farben meines Regenmantels verschluckt und dich und mich und die Symetrie des Tages.
Deine Hände formen mein Gesicht, meine Augenlider, deine Küsse formen meinen Mund. Ich kann dich sehen. Herztief.

©Émilia



Am Ende des Tages

Am Ende des Tages lag ich frisch gebadet, in meinem Bett mit frisch bezogener Bettwäsche. Nach einer langen arbeitsreichen Woche, nach einem langen Tag und nach einen ausgiebigen Bad, sollte man doch besser schlafen als ein Murmeltier.

Pustekuchen! Sobald ich mich in die wohlig weiche Daunenherbstdecke kuschelte, verflog die Müdigkeit aus meinem Körper.

"Als ich so ca 15 Jahre alt war, bekam ich während der Herbsterntezeit auch einige Aufgaben zugeteilt. Oma und Maman konnten alle gut mit der Ernte beschäftigen. Damals wünschte ich mir in der Großstadt zu leben, von der Schule nach Hause zu kommen, Hausaufgaben zu machen und mit Musik und einem guten Buch unbekümmert meine Zeit verbringen zu können. Doch es gab immer etwas zu tun, immer etwas zu ernten, immer etwas winterfest zu machen, Vorräte einzulegen. Manchmal hätte ich solche Tage am liebsten ausradiert." sagte ich während Lars mich mit seinen Armen umwickelte und mich an sich drückte.

"Bist du müde?" fragte er leise. 

"Ja nein, aber 2 Wochen non- stop Dienst und Erntesammeln war schon ganz heftig und anstrengend. Für dich mehr als für mich, denn du bist Feldarbeit ja nicht gewohnt. Und wir hatten ganz wenig Zeit für die Kinder und für uns ganz zu schweigen." Wir sahen die Kinder vielleicht ganze zwei Stunden je Tag. Irgendwann siezen sie uns, wie man hjer zu sagen pflegt, wenn man sich selten sieht.

"Mit nichts wird nichts, " meinte Lars überzeugt. "Wir müssen weder Gemüse noch Obst oder Fleisch und Milch vom Supermarkt kaufen. Es ist jede Menge Arbeit, aber man weiß was man hat. Und die Kinder sind doch gut aufgehoben. Sie verstehen das." redete er sanft und zärtlich auf mich ein.

Zoé und Noelle haben sich richtig ins Zeug gelegt. Sie haben sich richtig ausgetobt.

Lars hat es regelrecht genossen Mais zu ernten, Trauben zu lesen und mit der alten Weinpresse, bei der man Gewichte auflegen und sich im Kreis drehen muss, bis der Most aus den Traubenbeeren fließt. Er war mit Herz und Körper und Verstand dabei.

Am Samstag Abend saßen wir alle zusammen bei einem guten Ernteausklangsessen.  Zoé die mit 3 Jahren und 8 Monaten gerade mal 14 kg wiegt und sehr viel Zuwendung beim Essen braucht und nicht alles isst, hatte einen Riesenappetit. 

Am Ende des Tages weiß man immer wofür man da ist,

wen man liebt und wo man zu Hause ist.

Ab und zu muss man in die Wolkendecke des Himmels beißen

und dann scheint die Sonne.

Es sind oftmals die Gedanken die umherkreisen, die Emotionen aus Erinnerungen die einem nicht loslassen.

Das Landleben ist zwar nicht immer leicht. Es ist mit viel Arbeit verbunden, es ist zeitraubend und ofmals sieht man vieles nur aus dem Augenwinkel, die Arbeit die gemacht werden muss und das nebenher und selbstverständlich, man sieht die Abstriche die man gelegentlich machen muss und man kann nicht für die Lieben so da sein wie man möchte. Ich sehe wie das Landleben Lars fordert und denke er wird davon irgendwann müde werden, sich nach der Stadt sehnen, sich nach mehr Leichtigkeit sehnen.

Und aus dem Augenwinkel sehe ich nicht die Ernte, ich sehe nicht die Kinder die sich bei jedem in der Familie und untereinander geborgen fühlen und ich sehe Lars nicht, der alles sieht was ich nicht sehe.

Als unsere Eltern sich trennten, wollte mein Vater dass wir bei ihm bleiben und er verlangte eine Antwort von uns. Er schrie immer meine Maman an: " Du warst ja immer nur arbeiten, du warst nie richtig zu Hause mit den Kindern." Er sah nicht das Geld mit dem Maman zum Haushalt beigetragen hatte.

Lars meint, dass er das Stadtleben, die Enge und das Laute drumherum nie ausstehen konnte. Er mag es bis heute nicht allein Einkaufen zu fahren. Als Kind mussten sie sich oftmals selbst versorgen, aber er sah ein, dass seine Mam' arbeiten musste um sie zu versorgen.

Am Ende der heftigen ermüdenden Erntezeit so bedingungslos zufrieden zu sein, das kann man nicht lernen. Das ist ein Geschenk. 

Und ja, ich kann ein Stück Himmel abbeissen, damit die Sonne scheint.